Zu den bekanntesten Erinnerungen an das alte Krefeld gehört ein Bild von der Moerser Str., auf dem ein Botenfuhrwerk und ein über die Fahrbahn niedergehender Schlagbaum zu sehen sind. Das Haus im Hintergrund ist die bekannte Gastwirtschaft "Marcelli", an der Ecke der Heyenbaumstraße. Die Wirtschaft geht auf einen "Böngertsches-Hof" zurück, der schon im Jahre 1660 beurkundet ist. Die Tradition des Hofes ist eng mit einer Weggeldstelle verbunden. Sie entstand in einer Zeit, als die Regierung die Städte dazu anhielt, Mittel für die Unterhaltung der Kommunalwege bereitzustellen (ca. 1832). Zum Ausgleich durften sie "Chausseegeld" erheben. Dazu wurden - meist bei Gasthäusern - Hebestellen eingerichtet, die durch eine Barriere kenntlich waren. So auch am "Böngertsches-Hof", als der Weg nach Moers, bis dahin kaum mehr als eine Karrenspur, zur Landstrasse ausgebaut wurde. Die Hebestelle Moerser Str. hieß im Volksmund lange Zeit "An der Barriere". Als gegen Ende des Jahrhunderts der Chausseezoll wegfiel, verschwand die Einnehmerstelle und der Schlagbaum fiel 1898 in sich zusammen. Im Jahre 1908 stand in der niederrheinischen Volkszeitung zu lesen, Johann Marcelli habe am 06. Juni eine Gastwirtschaft eröffnet. Es waren die Kinder Heinrich, Karoline und Zetta (Elisabeth) des aus Italien eingewanderten Schmiedes Johann Marcelli, die 1908 das zum Verkauf anstehende Anwesen an der Moerser Strasse übernahmen. In alten Krefelder Familien wird noch erzählt, wie schon vor dem ersten Weltkrieg Marcelli als zünftiges Sommerlokal geschätzt war.. Man baute einen Tanzsaal, wo Husarenuniformen zur Kulisse gehörten und Groschentänze Geld in die Kasse brachten. Es gab einen herrlichen Garten mit Tischgruppen zwischen Taxushecken, es gab einen Kinderspielplatz, ein Backhaus und eine Voliere mit bunten Vögeln und Eichhörnchen. Wenn bei schönem Wetter Ausflügler der Straßenbahn entstiegen, um sich bei frisch gebackenem Weißbrot mit Rübenkraut und einer Tasse Kaffee zu erholen, setzte man ein Grammophon ins Fenster. In der Zeit zwischen den Kriegen richteten sich die Geschäfte mehr und mehr auf die Gastwirtschaft mit Kegelbahn und Schießstand aus. Im Verlauf der Zeit wurde die Gaststätte an Gertrud und Karoline Marcelli vererbt. Gertrud Marcelli und ihr Mann Josef Keuken führten die Gaststätte ab 1958 weiter. Die gute Küche und die liebenswerte, hilfsbereite Art fanden rasch Zuspruch. Leider verstarb Gertrud Keuken, geb. Marcelli schon 1973, sodass Josef Keuken, zäh und mit viel Idealismus, mit Unterstützung seiner Tochter Inge, die Gaststätte weiterführte. Nach seinem Tode 1985 erhält nun Inge Hansen, geb. Keuken, die alte Tradition der guten niederrheinischen Gastlichkeit und Küche.Mit ihrem Mann versucht sie, durch behutsame Sanierung, das Gasthaus Marcelli als ein Stück "altes Verberg" zu erhalten.
Geschichtliches